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September 29 2011
Creative Commons Global Summit 2011
Cross-Posting von drüben.
Ich war vom 16.-18. September in Warschau beim Creative Commons Global Summit. Diese Konferenz ist quasi die Wikimania der Creative-Commons-Bewegung. Die Frauen-, Juristen- und Businessquote unter den 300 Teilnehmern waren allerdings bedeutend höher als bei den Treffen der Wikimedianer oder anderen Konferenzen zu Internetthemen.

Meine Motivation, zum Summit zu fahren, ergab sich zum einen aus meiner Tätigkeit bei Wikimedia Deutschland und dem Interesse an globalen Communities zum Thema Freies Wissen. Zum anderen habe ich 2006 meine Diplomarbeit zu Creative Commons in NGOs geschrieben, dazu viele Vorträge gehalten und versucht, andere Leute mit meiner Begeisterung für freie Lizenzen anzustecken. Die Reise nach Warschau hat sich in jedem Fall gelohnt und ich konnte mir einen guten Überblick über die aktuellen CC-Themen und -Personen verschaffen.
Version 4.0
Ein Highlight war die neue Lizenzversion 4.0: Diese Version wird zur Zeit gemeinschaftlich von dem CC Headquarter (der Organisation in den USA) mit den Affiliates (den Zuständigen für Community und Recht je Land), entworfen und diskutiert. Nutzer der CC-Lizenzen sind ebenfalls aufgerufen, sich zu beteiligen.
Spannend war für mich, dass darüber nachgedacht wird, die Portierung der Lizenzen ab Version 4.0 aufzugeben. Bisher wird die Ursprungslizenz für jedes Land übersetzt und an die jeweilige Rechtssprechung angepasst, nun soll es nur noch einen internationalen Vertrag je Lizenzvariante geben. Dieser soll in einfacher Sprache klar und deutlich aufzeigen, was die Lizenz erlaubt und was nicht. Ob dies allerdings juristisch und operativ machbar und der Text dann wirklich universal rechtssicher ist, muss noch geprüft werden. Dabei bliebe dann allerdings auch ein wichtiger Teil der kollaborativen, vernetzenden Lokalisierungsarbeit in den Ländern auf der Strecke.
Toll war auch der Vortrag von Mike Linksvayer, der ein paar provokative Thesen vorgestellt hat, den Non-Commercial-Bestandteil (NC) ab Version 4.0 gänzlich aus dem Lizenzbaukasten auszunehmen bzw. auszublenden oder NC komplett von Creative Commons zu trennen. Die Diskussion über den Sinn und Unsinn von CC ist ja nicht neu und betrifft uns insofern, als dass dieser Lizenzbestandteil (genau wie ND-keine Bearbeitung) nach unserer Definition eben NICHT frei ist.
Gerichtliche Durchsetzbarkeit der Lizenzen
Zweites größeres Thema war die gerichtliche Durchsetzbarkeit, also die Frage, ob die Lizenzverträge vor Gericht Bestand haben. Als Beispiel diente hier der aktuelle Fall aus Deutschland, bei dem ein Foto von Thilo Sarazin aus der Wikipedia durch eine rechtsextreme Partei verwendet wurde, ohne die Lizenzbedingungen einzuhalten. Die Lizenz wurde vom Landgericht Berlin bestätigt, und diese nicht-konforme Nutzung wurde verboten. Das ist übrigens der erste Fall in Deutschland, wo die Lizenzen von einem Gericht bestätigt wurden.
Back to the roots
Bei all den verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten, Herausforderungen und juristischen Diskussionen muss man sich doch des öfteren nochmal auf die Wurzeln der Lizenzen besinnen: Creative Commons sind keine Alternative zum Urheberrecht, sondern eine Lösung auf dem Weg zur Reform diese Rechtes, welches noch aus einer rein analogen Vergangenheit stammt. CC ist eher ein Plugin, das flexiblen Umgang mit dem Urheberrecht erlaubt, um eigenen Werken Freiheiten mitzugeben (und diese von Anfang an mitzudenken). Das war unter anderem auch Tenor in der – wie gewohnt – beeindruckenden Keynote von Lawrence Lessig. Ziel der Commons-Bewegung ist eben auch, die Remix-Kultur zu achten und zu fördern, damit wir nicht in eine Zukunft schlittern, in der Kinder, die „Sachen im Internet machen“, wie Terroristen behandelt werden.
Die globale Bewegung
Einzelne Vorträge beschäftigen sich auch mit der Rolle von CC in der globalen Commons-Bewegung. Es gibt viele Überschneidungen und Synergien, die aber längst nicht ausgeschöpft werden. Hier sehe ich große Parallelen zur Wikimedia-Bewegung und wünsche mir noch mehr Kollaborationen mit anderen Organisationen in der wunderbaren Welt des Freies Wissens, Freier Kultur, Freier Software.
Creative Commons steht indes vor der Herausforderung, klar zu definieren, wer überhaupt deren Community ist. Anders als bei den Wikimedia-Projekte, fehlt hier die eine Plattform bzw. ein Kanal zum Austausch mit allen Beteiligten. Wer gehört zur Community? Jede, die ihr Werk unter CC veröffentlicht? „Nur“ die CC Affiliates? Juristen, Künstlerinnen, Geschäftsleute? Der Summit war eine tolle Gelegenheit, CC-Aktivistinnen und Aktivisten aus aller Welt und mit den unterschiedlichsten Hintergründen zu versammeln und die Stimmung einzufangen. Ich find’s prima, dass ich dabei sein konnte!
September 26 2011
Hier gibt es nichts zu editieren.
Bei der Wikipedia-Buchpräsentation hat Khesrau Behroz diesen wunderbaren Text zum Besten gegeben. Wikimedia Deutschland hat ihn nun noch mal vor die Kamera gezerrt und um Wiederholung gebeten.
Nichts zu editieren from Wikimedia Deutschland on Vimeo.
Nichts zu editieren (Khesrau Behroz, CC-BY-SA)
Sie dürfen diese Arbeit missbilligen.
Sie dürfen sie verachten, sie dürfen sich angeekelt fühlen.
Scheuen Sie sich nicht und kritisieren Sie.
Toben und tosen Sie, hauen Sie mit der Faust auf den Tisch,
schmeißen Sie ihn meinetwegen um.
Weisen Sie auf Ihre schwere Vergangenheit hin, denken Sie darüber nach,
welche Verbrechen in Ihrem Land ausgeübt worden sind, aber seien Sie großzügig.
Unter einer Million Toten brauchen Sie gar nicht erst anzufangen.
Spucken Sie beim Sprechen, das verleiht Ihrer Missbilligung einen ganz besonderen Akzent,
sagen Sie Ihrem Gegenüber ruhig, in welchen suboptimalen familiären und sozialen Verhältnissen er oder sie doch aufgewachsen ist,
denn – in der Tat – es muss ja so, es kann ja nicht!
Seien Sie wie Kerner, distanzieren Sie sich sogleich von Ihrer Maßlosigkeit,
schließlich sagen Sie ja nur, Sie meinen ja nicht.
Fluchen Sie, ja, fluchen Sie, wozu haben Sie denn diese Stimme?
Stellen Sie sich trotzig in den Raum und zeigen Sie auf den Urheber – mit dem nackten Finger! –
Schändung!, schreien Sie ruhig “Schändung”, es ist ein außerordentlich kluges Wort –
vergessen Sie nicht, vergessen Sie nicht, dabei ein- und wieder auszuatmen,
Sie wollen es tunlichst vermeiden, dass Ihnen ausgerechnet dann der Atem stockt,
wenn Sie parieren müssen.
Seien Sie kein Klischee, überraschen Sie mit Ihrer Einfältigkeit,
Menschen sind sehr fasziniert von unerklärlicher Dummheit,
sie suchen nach ihr wie ein Detektiv nach einem Mörder.
Machen Sie sich Listen, Pros und Contras – und schmeißen Sie dann die Pros weg,
aber immerhin wissen Sie dann, gegen welche Gegenargumente Sie sich vehement wehren können,
ganz gleich, wie valide die Punkte sind.
Seien Sie selbstherrlich, in Ihrer Welt sind Sie der König, sind SIE die Königin,
werden Sie pampig, das kommt immer sehr gut an.
Lassen Sie Gegenkritik einfach an sich abprallen,
schreien Sie laut in den Raum hinein: ICH BIN EINE EINZIGARTIGE LOTUS-BLÜTE!
Doch vergessen Sie nicht: Wo Sie Recht haben, haben wirklich NUR Sie Recht.
Die Kunst besteht darin, sich von einem ominösen, allwissenden Nebel umschmeicheln zu lassen.
Werden Sie aggressiv, wenn es sein muss.
Das Gegenüber ist nicht immer gewillt, Gepöbel zu ertragen,
aber durch Lautstärke lässt sich dieses Problem sehr leicht lösen,
schreiben Sie in Großbuchstaben, wenn das Medium die Erhebung der Stimme nicht zulässt.
Stecken Sie Ihre Wut in Brand und rennen Sie wutentbrannt durch eine vor sich hinlebende Menschenmasse.
Tun Sie das alles in dem Bewusstsein, dass nichts Ihnen gehört.
Sie müssen absolut nichts verändern, nichts verbessern, nichts verschlechtern,
Sie dürfen das ja nicht einmal,
in einer Welt voller restriktiver Urheberrechte ist jeder Eingriff durch eine dritte Person ein Verbrechen, eine Grenzüberschreitung.
Kulturelles Gut, in der Tat, gehört uns nicht allen, obgleich wir uns damit rühmen.
Es gehört dem oder der Einzelnen und einzig er oder sie entscheidet, was damit geschieht.
Alle wollen sich mitteilen – nur wenige machen mit, teilen.
Optimale Verhältnisse für einen parasitären Kritikjunkie,
fressen Sie ruhig die Untaten der anderen,
rufen Sie die Hotline an und pöbeln Sie,
wenn Sie mal wieder einen Rechtschreibfehler entdecken.
Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu editieren.
Sie dürfen diese Arbeit missbilligen.
Werfen Sie sie an die Wand, wenn Sie mögen, stoppen Sie Türen damit,
halten Sie Fenster offen, machen Sie sich ein Lagerfeuer.
Aber Sie haben hierbei, welch ein Geschenk, die Freiheit, viel mehr zu tun.
Nehmen Sie sich den grässlichsten Text heraus, schreiben Sie ihn um,
verbreiten Sie die neue Version und wenn Sie mögen – verkaufen Sie sie einfach.
Machen Sie Kunst –
reißen Sie das Buch in Stücke und stellen Sie es aus.
Versuchen Sie sich an einem neuen Geschäftsmodell:
Dem Verkauf eingescannter Bücher zu einem Bruchteil des Originalpreises.
Statt 16,99 Euro könnten Sie auch nur 99 Cent verlangen.
Das ist ein guter Preis für eine über 350 Seiten dicke PDF.
Sie könnten auch alle Seiten scannen, die Texte digital extrahieren und sie dann auf eine eigene Internetseite mit vielen Werbeeinblendungen anbieten.
Sie sehen, die Möglichkeiten, Kapital daraus zu machen, aus der Freiheit, mit kulturellem Gut
tun und lassen zu können, was Sie mögen, sind äußerst vielfältig.
Doch: Bleiben Sie fair.
Nennen Sie die Namen der Urheber, wenn Sie schon Schandtaten mit ihren Werken
vollbringen.
Erlauben Sie den Menschen, Ihre eingescannten Dokumente weiterzuverwenden.
Seien Sie Teil einer gigantischen Menschenkette,
seien Sie Zündfunke in einer Gesellschaft, in der Menschen ihre kulturellen Erzeugnisse nicht mehr hermetisch abschließen, sondern für alle öffnen.
Damit eines Tages George Lucas nicht die einzige Person auf diesem Planeten ist, die digital neu bearbeitete Versionen von Star Wars auf den Markt schmeißen kann.
Sie und ich, wir wissen, was für eine schöne neue Welt das wäre.
Sie dürfen diese Arbeit missbilligen.
Sie dürfen aber – und das ist äußerst erstrebenswert – den Anspruch haben und den Anspruch stellen, dass der nackte Finger, der auf den Urheber zeigt, nichts weiter ist als der Anfang eines neuen Schöpfungsprozesses.
July 27 2011
Motivationsfilm für Creative Commons
Im Rahmen des Ideenwettbewerbs WissensWert 2010 von Wikimedia Deutschland wurden von der Community und einer Jury aus 93 Einsendungen acht auserwählt und finanziell unterstützt.
Der Motivationsfilm für Creative Commons von Amadeus Wittwer und seinem Projektteam ist nun online:
Der Motivationsfilm für Creative Commons ist eine Art Werbefilm für Creative Commons, der Kreativen, Kultur- und Medienschaffenden sowie Wissenschaftlern dazu ermuntert, die geschaffenen Inhalte in die kulturelle Allmende einfliessen zu lassen. Im Film wird die Lizenz, die Nutzung und derer Entstehungsgeschichte erläutert.
Dieser Film steht unter einer Creative Commons Namensnennung 3.0 Unported Lizenz und übertrifft damit erfreulicherweise sogar die Wettbewerbsvoraussetzung, die Ergebnisse „mindestens“ unter einer CC-BY-SA zu veröffentlichen. Wer also Lust hat, den Film selber vorzuführen, weiter zu geben, ihn zu remixen oder zu übersetzen (hint, hint!) ist herzlich eingeladen, dies zu tun.
Mitwirkende
Projektleitung: Amadeus Wittwer www.2hofnarr.ch
Regie&Cut&Animation: Adrian Scherzinger www.edprojects.ch
Illustration: Regina Wittwer www.regains.ch
Ton&Sounds: Alain Stoll www.jectified.com
Sprecherin: Sarah Judith Bürge
Sprecher: Philipp Bürkler
Textkorrekturen: Claude Fankhauser, Dirk Dienel
Übersetzung: Barbara Müller www.fepafrika.ch
Finanzierung: Verein Wikimedia Deutschland e.V.
Crossposting. Disclosure: Ich arbeite bei Wikimedia Deutschland und betreue dort das Projekt WissensWert.
April 24 2011
Exodos – Spielfilm unter CC, Premiere in NK
Bisher an mir vorbeigegangen, gerade frisch bei netzpolitik entdeckt: Neukölln liegt nicht nur in Gentrifizierungsdingen ganz weit vorne, man macht dort auch in CC.
Der Film Exodos ist ein Projekt aus dem Hause und Sender Freies Neukölln und wird unter der Creative Commons Lizenz BY-NC-SA veroeffentlicht. Cooles Konzept: Jede kann Screenings veranstalten, erst nach einer kleineren Premierentour wird der Film dann auch per Torrent etc. ueberall frei erhaeltlich sein.
Die Beschreibung klingt vielversprechend, die Zusammenfassung noch superer: Action & agitation, love & porn – an anarchistic comedy is waiting for you!
Und da ich selber schon mal im Freien Neukölln konsumiert habe, freue ich mich besonders, damit schon zu den Unterstuetzerinnen zu zaehlen. Essen und Trinken fuer eine bessere Welt! Fuer mehr solcher Projekte! Toll!
Kommt am Donnerstag zur Weltpremiere in die alte Kindl-Brauerei in NK. Der Eintritt ist frei, sogar frei wie in Freibier. (Nur schade, dass die gewaehlte Lizenz nicht meiner Vorstellung von Freiheit entspricht, aber hey!)
September 05 2010
Neues vom OpenMusicContest
Ein paar Informationen aus dem aktuellen Newsletter des OpenMusicContest:
all2gethernow – a2n

In der Woche vom 06.-12.09.2010 findet im Rahmen der die “Berlin Music Week” die zweite all2gethernow (a2n) statt. Für OMC-Interessierte ist dort vor allem der 06. September – der erste Tag des a2n-Camps – interessant, weil das OMC-Team an dem Tag gleich auf drei Veranstaltungen vertreten ist:
- 13:00 Uhr: Präsentation:
Creative Commons Collecting Society – And It’s No Typo - 14:30 Uhr: Diskussion: Current Status In Collecting Societies And Licensing Alternatives – What’s The Vision?
- 19:30 Uhr: Workshop: GEMA oder Creative Commons: Was ist für mich am besten?
Die letztgenannte Veranstaltung ist insofern eine Permiere, als daß Vertreter von Creative Commons und der GEMA gemeinsam ihre Organisationen vorstellen und sich den Fragen der Musiker stellen. Schon aus diesem kurzen Blick ins Programm ist ersichtlich, daß ordentlich Bewegung in die Verwertungsfrage kommt. Das vollständige Programm kann hier eingesehen werden.
Btw: Ich geh hin!
Vorerst doch keine Tour
Leider, leider: Mit der Tour wird es 2010 nichts. Schuld ist nicht mangelndes Interesse, mit mehr als einem Dutzend potentieller Tourstationen aus dem ganzen Bundesgebiet waren die OMCler bereits im Gespräch.
Das Probelm war bisher eher „Time & Timing“. Beispielsweise erwies sich die Vereinsgründung mit angesprebter Gemeinnützigkeit als komplexer als geplant; erst jetzt zeichnet sich ab, daß zumindest dieses Vorhaben erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Leider ist dies die strukturelle Grundlage für viele weitere Schritte, beispielsweise das Einwerben von Fördermitteln, so daß auch die Finanzierung der Tour bisher nicht hätte sichergestellt werden können. Nicht zuletzt war in den vergangenen Monaten auch die Konzeption einer CC-Verwertungsgesellschaft (s.o.) ein Projekt, das Zeit in Anspruch nahm, und dem zugegebenermaßen bisweilen etwas mehr Priorität gewährt wurde.
Ein Grundsatz der OMC-Arbeit bleibt, daß kein Projekt konkret angekündigt wird, solange seine Umsetzbarkeit nicht überzeugend gesichert ist. Die Tour ist damit nicht abgeschrieben, es wird weiter an der Absicherung der Basis gearbeitet.
Rückblick: SIGINT 2010
Die erste offizielle Ankündigung einer neuen Verwertungsgesellschaft gab es übrigens live bei Radio Breitband, direkt von der SIGINT in Köln. Im Rahmen dieser Konferenz gab es einen Vortrag unter dem gewollt provokanten Titel “„Die gescheiterte Revolution“. Darin wurden u.a. die Jahreswirtschaftsberichte des Bundesverbands Musikindustrie beleuchtet. Die darin ausgewiesenen CD-Verkäufe sind seit sieben Jahren nahezu konstant, während sich die Zahl illegaler Musikdownloads mehr als halbierte. Statistisch gesprochen zeigt sich also überhaupt kein Zusammenhang zwischen illegalen Downloads und CD-Absatz, und dies wohlgemerkt in den offiziellen Geschäftszahlen des Bundesverbands Musikindustrie. Die Details hierzu sind etwas ausführlicher hier verbloggt.
August 16 2010
Energie des Wissens – Artikel- und Bilderwettbewerb für die Wikipedia gestartet
Ich erlaube mir mal, hier für ein Projekt zu trommeln, an dem ich aktuell bei Wikimedia Deutschland arbeite. Die Zedler-Medaille 2010:
Neue Autoren für die Freie Enzyklopädie Wikipedia zu gewinnen und hochwertige Artikel und Bilder zu generieren, ist das Ziel des laufenden Wettbewerbes von Wikimedia Deutschland. Bereits zum vierten Mal verleiht der gemeinnützige Verein gemeinsam mit der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur und dem Verlag Spektrum der Wissenschaft die Zedler-Medaille. Gesucht und ausgezeichnet werden neue Lexikonbeiträge und Bilder aus Natur- und Geisteswissenschaften sowie zum Thema „Wissenschaftsjahr 2010 – Die Zukunft der Energie“.
Teilnehmen darf jede und jeder! Dieser Wettbewerb spricht zum einen erfahrene Wikipedianer an, zum anderen sollen gerade Wikipedia-Neulinge motiviert werden, sich mit der Idee der Freien Enzyklopädie, Freien Wissens und Freier Lizenzen auseinander zu setzen und sich mit einen kleinen Teil am großartigen Ganzen zu beteiligen. Zentrale Teilnahmebedingung ist dabei, dass die Einreichungen unter die Creative-Commons-Lizenz CC-BY-SA gestellt werden und somit in der Wikipedia veröffentlicht werden können.
Wikipedia ist noch lange nicht fertig
„Die Wikipedia hat aktuell weit über eine Million Artikel und scheint damit für viele Nutzer nahezu fertig. Man findet zwar sehr vieles bei Wikipedia, aber es gibt tatsächlich auch noch viele Lücken im Lexikon, die gefüllt werden können und müssen“, begründet der Geschäftsführer von Wikimedia Deutschland, Pavel Richter, die Aktion.
Bis zum 30. September haben engagierte Autoren, Fotografen und Grafiker Zeit, ihre Beiträge einzureichen. Die jeweils besten Artikel aus den Kategorien erhalten neben der Medaille ein Preisgeld von 2.000 Euro. Auf die Gewinner des Bilderwettbewerbes warten wertvolle Sachpreise wie Kameraobjektive, Videobrillen und Bildbände. Die Preisverleihung findet im Rahmen der Wikipedia Academy am 19. November in Frankfurt am Main statt.
Alle Informationen zum Wettbewerb, zu den Teilnahmebedingungen und Gewinnen sowie Banner und Aushänge zum Mittrommeln stehen auf http://wikimedia.de/zedler. Viel Erfolg!
March 13 2010
11. Gautinger Internet-Treffen „Gutes Netz – böses Netz“
Nächste Woche, am 16. und 17. März, findet in Gauting bei München das 11. Gautinger Internet-Treffen statt. Zielgruppe sind MedienpädagogInnen und MitarbeiterInnen aus Jugendarbeit und Schule. Bei der Tagung soll es neben der Sozialisationsforschung von Jugendlichen im Internet auch um neue Veröffentlichungsformen im Web 2.0 und deren Problematik gehen, außerdem um die politische Besetzung des virtuellen Raums.
Zwei sehr gegenläufige Entwicklungen kennzeichnen das Internet im Zeitalter des Web 2.0. Einerseits werden die Möglichkeiten von Information und Desinformation genutzt und vielfältig eingesetzt: in Wahlkämpfen, zur Kundenbindung und als Nachrichten über dies und das. Auch das weltweite Wissen der Menschheit wird zunehmend digitalisiert und somit leichter verfügbar. Gleichzeitig spitzt sich die Frage um die Kontrolle des Netzes weiter zu: Politisch wird nach Zugriffs- und Zensurmöglichkeit gesucht, Google archiviert alle wissenschaftliche Literatur, deren Copyright erloschen ist. Wem gehört das Wissen und wer darf darüber verfügen? Eine Frage von umfassender politischer, rechtlicher und wirtschaftlicher Bedeutung.
Gleichzeitig lässt sich eine andere Bewegung feststellen: die einer „parzellierten“ Öffentlichkeit. Damit sind nicht obskure Freaks und merkwürdige Fans gemeint, sondern die Inhalte, mit denen sich Jugendliche beschäftigen bzw. die sie selber herstellen. Für viele Jugendliche stellt die Sphäre des Netzes einen Rückzugsraum dar, einen der wenigen Räume, in denen sie sich bewegen, tätig sein und abschotten können gegenüber erwachsener Kontrolle und Bevormundung.
Vorgestellt werden z.B. Medienprojekte aus der Praxis und Chancen vom Einsatz und der Produktion digitaler Medien in der Kinder- und Jugendarbeit bzw. im schulischen Kontext. So spricht Markus Beckedahl im Inter@ktiv-Mediensalon (PDF) über neue Öffentlichkeiten im Netz, Christian Grasse bietet einen Workshop zu „Open Music – Freie Musik im Web 2.0“ an und ich selber werde über Vor- und Nachteile von Creative Commons-Lizenzen referieren. Für ein Rahmenprogramm ist ebenfalls gesorgt – am Dienstag Abend wird der Deutsche Multimediapreis für Kinder und Jugendliche verliehen, Spiele, Livestream, Twitterwall und eine Ausstellung begleiten die Tagung.
Das Internet-Treffen wird veranstaltet von Jugend online/netzcheckers, SIN – Studio im Netz und dem Institut für Jugendarbeit. Herzlichen Dank für die Einladung!
March 09 2010
Lawrence Lessig beim TEDxNYED
Lawrence Lessig hat letzte Woche beim TEDx New York einen unterhaltsamen Vortrag über Konservative, Demokraten, Linkshänder, Freiheit und Creative Commons gehalten.
February 26 2010
BpB veröffentlicht 24 Infografiken unter CC
Die Bundeszentrale für politische Bildung hat 24 Infografiken veröffentlicht und stellt diese unter einer Creative-Commons-Lizenz (BY-NC-ND) zur Verfügung.
Unter dem Titel 24 x Deutschland wird visualisiert, wie deutsche Demokratie funktioniert, z.B.:
Was sind die Grundsätze unserer Verfassung? Welche Aufgaben hat der Bundestag? Und wie entsteht ein Gesetz?
Zusätzlich wird das Thema ausführlich und verständlich beschrieben und es steht für jede Grafik inkl. Text ein PDF zum Download bereit. Hier ein kleiner Vorgeschmack zu Beispielen der Bürgerbeteiligung in der Europäischen Union:
(via netzpolitik)
January 12 2010
Das Internet ist Kultourhauptstadt 2010: Open Music Contest #5
Nach einem Jahr Pause endlich fantastische Neuigkeiten zum 5. Open Music Contest, die ich hier gerne übernehme:
2010 kehrt der Open Music Contest mit neuem Elan zurück: Für den fünften OMC plant das Organisations-Team anstelle eines zentralen Konzertes diesmal eine Tour durch die ganze Bundesrepublik. Die einzelnen Stationen sollen dabei jeweils vor Ort organisiert werden. Wir laden hiermit die CC-Community und alle Freundinnen & Freunde freier Kultur dazu ein, sich an diesem Projekt zu beteiligen.
Gesucht werden hierzu Freiwillige, die gerne die Planung für eines der Tourkonzerte in ihrer Stadt übernehmen möchten (das entsprechende Verantwortungsbewußtsein setzen wir voraus). Wir denken dabei zunächst einmal an Clubs und ähnliche Konzertveranstaltungsorte mit einer Kapazität von etwa 250 Personen ab Mitte Juni (man kann sich aber natürlich auch gerne bei uns melden, wenn man etwas anderes vorschlagen möchte). Wir möchten gewissermaßen mit einer handvoll Bands verschiedener Genres vorbeikommen, den Laden rocken, und nach dem Ausschlafen zur nächsten Location weiterfahren. Dabei soll sich jeden Abend das Line-Up etwas ändern, so daß wir einer ganzen Reihe von Bands die Chance geben können, mal für ein paar Tage Tourluft zu schnuppern.
Mit den OMC-Aktiven vor Ort wollen wir uns auf einige “Mindeststandards” für Stationen verständigen, damit nichts wichtiges ungeklärt bleibt. Das oberste Ziel soll sein, daß es allen Beteiligten Spaß macht — egal ob vor, auf oder hinter der Bühne. Also Rock’n'Roll, meine Damen und Herren.
Wir hatten letztes Jahr eine Auszeit genommen, um den OMC nach vier erfolgreichen Durchläufen mal ohne Zeitdruck neu aufzustellen (was von eingen Kommentatoren dahingehend fehlinterpretiert wurde, daß wir den Contest ganz eingestellt hätten — diese Nachrufe waren allerdings übertrieben ;-)). Der Wettbewerb findet nun zum ersten mal als eigenverantwortliches Projekt ohne die Trägerschaft durch den Marburger AStA statt. Naheliegenderweise steht eine Vereinsgründung kurz bevor. Was aus der Touridee in den nächsten Monaten wächst können wir jetzt natürlich noch nicht sagen. Das hängt nicht zuletzt vom Feedback aus der Community ab. Es ist zumindest definitiv aufregender als den gleichen Wettbewerb routiniert ein weiteres mal durchzuführen. Ungefähr so aufregend fühlte sich das auch vor dem ersten Contest an :-)
Wer diese Aufregung mitfühlen möchte hat nun Gelegenheit, selbst einen Teil der Tourorganisation zu übernehmen. Die übrigen Bestandteile des Wettbewerbs bleiben wie gewohnt: Onlinebewerbung mit bis zu drei Titeln unter CC-Lizenz (wahrscheinlich im April), Jury-Phase und Samplerveröffentlichung.
Im Augenblick arbeiten wir auch an einer eigenen Softwarelösung für die immer wieder anfallenden Arbeitsschritte. Sofern wir rechtzeitig fertig werden und alles wie gewünscht funktioniert, könnte es zusätzlich zur Jury auch zum ersten mal eine öffentliche Teilnahme am Wertungsverfahren geben. Dies hatten wir aus verschiedenen Gründen bisher immer abgelehnt (v.a. wegen mangelnder Fairness, weil zum einen der Ausschluß gezielter Manipulation sehr schwierig ist, zum anderen Bands mit bereits größerer Fanbasis bei den meisten Verfahren im Vorteil sind; wir fanden es auch fraglich, ob sich viele Teilnehmende an so einem “public voting” vor ihrer Stimmabgabe auch sämtliche Titel anhören würden, das sind 10-20 Stunden Musik, was die Ergebnisse verzerren kann). All diese Probleme haben wir theoretisch gelöst, müssen diese Lösungen nun allerdings noch in Software umsetzen. Da die Ergebnisse als freie Software unter der GPL veröffentlicht werden, freuen wir uns auch hier über Unterstützung :-)
Es ist noch längst nicht alles geklärt und geregelt. Bitte kontaktiert uns, wenn ihr Fragen, Ideen oder Angebote habt, eine Station organisieren oder bei der Softwareentwicklung helfen möchtet. Und wie immer freuen wir uns über Verbreitung der Idee: Spread the word!
Kleiner Nachtrag von mir: Der Open Music Contest twittert seit geraumer Zeit unter @omcontest und hat seit Neustem auch einen identi.ca-Account, dem ihr unter @openmusiccontest folgen könnt!
January 07 2010
CC-Music Monster Compilation 2009 bei phlow.net
Einen hervorragenden Start ins neue Jahr beschert uns Mo Sauer auf phlow.net mit der Monster Compilation “The Best Creative Commons Music Moments in 2009“. 120 Songs, 4,5 Stunden, 1,3 GB, alles Creative-Commons-lizenzierte Musik. Wow!
Eine großartige Mischung wunderschöner Stücke. Bitte nicht von der Länge abschrecken lassen und einfach mal in den Stream reinhören. Ihr werdet dann garnicht um den Knopfklick zum Downloaden & Mitnehmen herumkommen. Die feine Auslese der Stücke eignet sich außerdem ganz hervorragend zur Entkräftung des ewigen “was nix kostet kann auch nix sein” der CC-Kritiker.
Viel Spaß. Und auch von mir: Frohes Neues Jahr!
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